Wenn wir über traditionelle Kleidung sprechen, denken wir oft an bunte Stoffe, feine Stickereien oder elegante Schnitte. Aber ein Kleidungsstück kann viel mehr sagen: Es erzählt eine Geschichte, offenbart eine Identität und wird manchmal sogar zum Symbol. Genau das zeigen das palästinensische Kostüm und der Qamis. Zwei verschiedene Kleidungsstücke – das eine tief verwurzelt in einem Land und einer Kultur, das andere darauf ausgerichtet, Grenzen zu überwinden – die im Grunde eine gemeinsame Wurzel teilen.
Das palästinensische Kostüm: ein Ausweis aus Stoff
In Palästina war die traditionelle Tracht nicht nur ein Alltagskleid. Sie war ein soziales und kulturelles Erkennungszeichen. Zwischen 1918 und 1948 konnte man anhand von Schnitt, Farbe und Stickerei auf einen Blick erkennen, woher jemand stammte – ob aus einem Dorf oder einer Stadt, ob aus einer Bauern-, Beduinen- oder Stadtfamilie.
Besonders bei den Frauen waren die bestickten Kleider wahre Kunstwerke. Die Muster wurden nicht zufällig gewählt: Sie erzählten Geschichten, boten symbolischen Schutz und spiegelten ein Wissen wider, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ein palästinensisches Stickereigewand zu tragen bedeutete, eine lebendige Spur der eigenen Wurzeln mit sich zu tragen.

Der Qamis: ein Kleidungsstück, das Unterschiede überbrückt
Der Qamis hat hingegen eine andere Geschichte. Diese lange, schlichte und elegante Tunika entstand in den ersten Jahrhunderten des Islams und verbreitete sich anschließend in allen muslimischen Ländern. Sein besonderes Merkmal? Er hat lokale Kulturen überwunden und ist zu einem universellen Kleidungsstück geworden.
Ob im Maghreb oder in Arabien – überall begegnet man Männern im Qamis. Auch in westlichen Ländern kleiden sich Muslime auf diese Weise. Einen Qamis kaufen war noch nie so einfach wie heute. Spezialisierte Geschäfte haben dafür gesorgt, dass die verschiedenen Varianten dieses muslimischen Männergewands leicht zugänglich sind.
Brücken zwischen zwei Traditionen
Trotz ihrer Unterschiede sind diese beiden Kleidungstraditionen einander nicht fremd. Der palästinensische Shirwal – diese weite, an den Knöcheln geraffte Hose – findet sich unter anderen Namen in vielen arabischen und muslimischen Ländern wieder. Sein Schnitt erinnert an den Sarouel, ein Beweis dafür, dass sich Kleidungsstücke über Jahrhunderte hinweg austauschten und gegenseitig beeinflussten. Auch bei den Farben zeigt sich dies: Das palästinensische Kostüm wechselte von Weiß über Schwarz bis Blau oder Braun, während der Qamis je nach lokaler Kultur verschiedene Varianten kannte, dabei aber seiner Schlichtheit treu blieb.
Und dann ist da noch das Kufiyya – jenes berühmte schwarz-weiße Tuch, das zum Wahrzeichen Palästinas geworden ist. Ursprünglich nur ein Schutz gegen Sonne und Sand, verwandelte es sich in den 1930er Jahren zum Symbol des Widerstands und der nationalen Identität. Der Unterschied wird hier deutlich: Der Qamis ist universell, während das Kufiyya tief in der Geschichte eines Volkes verwurzelt ist.

Zwei Kleidungsstücke, zwei Botschaften… aber eine gemeinsame Wurzel
Heute leben beide Traditionen weiter, jede auf ihre eigene Weise. Das palästinensische Kostüm erlebt eine Rückkehr durch Designer, die die traditionelle Stickerei in moderne Stücke integrieren. Ein besticktes palästinensisches Kleid oder Tuch zu tragen ist eine Art, eine lebendige Erinnerung zu bewahren. Der Qamis bleibt ein zeitloses Kleidungsstück. Er wird in der gesamten muslimischen Welt getragen – vor allem wegen seiner Bescheidenheit und seines Komforts. In verschiedenen Kulturen ist er zu einem Referenzgewand geworden, sowohl für den Alltag als auch für Gebetsmomente.
Diese beiden Kleidungsstücke erzählen also nicht dasselbe, aber sie ergänzen sich. Das palästinensische Kostüm verkörpert die Verwurzelung eines Volkes in seiner Erde und Geschichte, während der Qamis Werte der Bescheidenheit und Zurückhaltung verkörpert, die weit über Grenzen hinausgehen. Das eine ist Erinnerung, das andere ist Schlichtheit. Beide beweisen, dass ein Kleidungsstück nie nur Stoff ist, sondern immer auch eine Bedeutung trägt.
Anzumerken ist, dass der Qamis für Männer das Äquivalent der Abaya für Frauen ist.
Häufige Fragen zum Qamis und zum palästinensischen Kostüm
Was verriet das traditionelle palästinensische Kostüm vor 1948?
Zwischen 1918 und 1948 ermöglichten Schnitt, Farbe und Stickerei des Kostüms, auf einen Blick die Herkunft einer Person zu erkennen: ihr Dorf, ihre Stadt oder ihre Zugehörigkeit zu einer Bauern-, Beduinen- oder Stadtfamilie. Die von Frauen getragenen bestickten Kleider waren wahre Kunstwerke, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
Was ist der Qamis und woher kommt er?
Der Qamis ist eine lange, schlichte Tunika, die in den ersten Jahrhunderten des Islams entstanden ist und sich anschließend in allen muslimischen Ländern verbreitet hat. Im Gegensatz zum palästinensischen Kostüm, das in einer lokalen Kultur verwurzelt ist, ist der Qamis zu einem universellen Kleidungsstück geworden, das in der gesamten muslimischen Welt getragen wird.
Welche Verbindung besteht zwischen dem palästinensischen Shirwal und anderen Kleidungsstücken der arabischen Welt?
Der Shirwal – eine weite, an den Knöcheln geraffte Hose – findet sich unter anderen Namen in vielen arabischen und muslimischen Ländern wieder, insbesondere in einem dem Sarouel ähnlichen Schnitt. Dies belegt, dass traditionelle Kleidungsstücke über Jahrhunderte hinweg zirkulierten und sich gegenseitig beeinflussten.
Wie unterscheidet sich das Kufiyya vom Qamis in der palästinensischen Kultur?
Ursprünglich ein einfacher Schutz gegen Sonne und Sand, verwandelte sich das Kufiyya in den 1930er Jahren zum Symbol des palästinensischen Widerstands und der nationalen Identität, während der Qamis ein universelles Kleidungsstück ohne besondere nationale Zugehörigkeit geblieben ist.
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